Kultur

Ignaz Böckenhoff: Menschen vom Lande: Foto-Ausstellung

28 Okt , 2005  

Münster.- Ignaz Böckenhoff (1911–1994) hat über 50 Jahre als Amateurfotograf die Menschen seines Heimatdorfes Raesfeld im Westmünsterland liebevoll und einfühlsam porträtiert. Die 40 schönsten Aufnahmen aus dem über 80 000 Negative umfassenden Nachlass präsentiert die vom Westfälischen Landesmedienzentrum und dem Westfälischen Museumsamt zusammengestellte Wanderausstellung "Ignaz Böckenhoff – Menschen vom Lande" im Stadtmuseum Münster.

Fotoausstellung im Stadtmuseum / Persönliches Zeugnis einer vergangenen Welt

Ab 28. Oktober sind die eindrucksvollen Schwarzweißfotografien zu sehen.

Böckenhoff, 1911 als Sohn eines Bauern geboren, war Autodidakt. Seine erste Kamera kaufte der 15-Jährige im Jahr 1926, einer Zeit, in der die Beschäftigung mit ländlichen und bäuerlichen Themen im Zuge der populären Heimatfotografie einen ersten Aufschwung erlebte. "Seine Bilder spiegeln mehr als jede andere Quelle das Leben auf dem Land und seine traditionelle Gesellschaftsordnung vor und nach dem Zweiten Weltkrieg wider", betont Dr. Volker Jakob, Kurator der Ausstellung.

Ignaz Böckenhoff fand seine Sujets auf den Höfen der großen wie der kleinen Bauern, in den Werkstätten der Handwerker und den Läden der Gewerbetreibenden. Er fotografierte die Alten ebenso wie die Jungen, die einfachen Leute und Außenseiter wie die Honoratioren, den Pastor und den Fabrikanten. Er widmete sich alltäglichen und außergewöhnlichen Themen. Familienfeiern fanden sein Interesse in gleichem Maße wie Dorf- und Schützenfeste oder öffentliche Äußerungen von Kiche und Politik.

Die zweite Hälfte der 1930er und die 1940er Jahre waren für Böckenhoff in fotografischer Hinsicht besonders fruchtbar. Er dokumentierte mit seiner Kamera die schleichenden politischen Veränderungen, die zunehmende Ideologisierung und Militarisierung des dörflichen Lebens und den Aufbau der nationalsozialistischen Gliederungen im Ort. Aus dieser Zeit stammen seine stärksten und überzeugendsten Aufnahmen.

Böckenhoff verstand es, das soziale Umfeld der Menschen in seinen Bildern einzufangen. Er besaß ein sicheres ästhetisches Gespür für den richtigen, unwiederbringlichen Augenblick einer Aufnahme. Weil die Fotografierten den "Dorfchronisten" kannten, verstellten sie sich nicht und ließen ihn nah an sich herankommen. Die Bilder überraschen immer wieder durch ihre Natürlichkeit und Ungezwungenheit und sind ein intimes, persönliches Zeugnis einer vergangenen Welt.

Vom 28. Oktober bis zum 15. Januar 2006 ist die Ausstellung "Ignaz Böckenhoff – Menschen vom Lande" im Stadtmuseum Münster zu sehen. Der gleichnamige Begeleitband zur Ausstellung mit über 200 Duotone-Abbildungen (19,90 Euro) und eine Edition mit fünf Fotografien (150,00 Euro) sind im Museumsshop erhältlich.

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