Heinrich Richter ist neuer Schützenkönig der Achatius-Bruderschaft

Denkwürdig spannend geriet das "Vuogelscheiten" der Achatius-Bruderschaft am 12. Juni 2005 – der Vogel wollte nicht runter und kaum ein Zweibeiner rauf auf den Königsthron. Münster-Wolbeck.  „Das Loch um die Schraube ist noch nicht groß genug“. Je länger der hölzerne Vogel sich unbeeindruckt zeigt von den 2-Millimeter Schrot-Ladungen, desto häufiger werden  die fachkundigen Kommentare beim „Vuogelscheiten“ der Achatius-Brüder in Wolbeck. Auch die aufmunternden und drängenden Anträge, doch zu schießen: „Ich schieß für dich“, „Ich halte Dir solange die Kamera“. Schießvater Alfons Sültemeyer hat einige Momente der Ruhe für sich und sein Schießgerät aus Eckernförde. Und sucht mit dem Fernglas den Zustand des um 15.15 Uhr nach 160 Schüssen schon arg gerupften Vogels zu erkunden. Da drehte der Vogel sich nach manchem Einschlag.

Reinhard Hinkelmann gibt  Schuss um Schuss ab, die Splitter und Brocken fliegen reichlich, der Vogel hängt. „Der kann noch 20 Schuss vertragen.“ Hinkelmann drängt, nicht mehr allein schießen zu wollen, mehr Spannung müsse sein. Während ein Kegelverein sich im Versenken von Nägeln übt, ziehen König Wilbert Brodrecht und die Scheffer Wilbernd Jäger und Peter Sechelmann aus, weitere Schützen zu rekrutieren. Während manche Ehegattin willige Schützen warnt, intoniert die Kapelle Vaclav Bláhas „Schürzenwalzer“. König Brodrecht hatte am Samstag vor dem Fackelzug mit 200 Brüdern noch für die Vorteile des Königs-Amtes geworben. Man lerne seine  Brüder im Offizierskorps richtig kennen.

Einige kommen, schießen und verfehlen doch den von der Menge ersehnten Erfolg. Nun schießt Heinrich Richter mit. Sprechchöre der zahlreichen kleinen Zaungäste rufen: „Rudolf, Rudolf“. Am Wind kann es nicht liegen, still hängen die Fahnen hinter der Schießanlage, die Hauptmann Karl Wulfers mit zwei Fahnenabteilungen am Mittag aus St. Nikolaus geholt hat.

Auch um 16.20 Uhr heißt es noch, der könne „noch 20 Schuss vertragen“. Hinkelmann erlegt einen großen Brocken, doch auch um 16.35 Uhr melden Experten: „Der kann noch was vertragen.“

Alles starrt gebannt auf die Überreste des Vogels, der Vorstand fasst sich an den Kopf, wenn wieder nur Splitter fallen. Hinkelmann schüttelt den Kopf.

Der 279. Schuss ist der „Königsschuss“. Der „Vogel“ fällt, Heinrich Richter steigt in den Armen der Achatius-Brüder empor. Präses Pfarrer Dr. Siegfried Kleymann gratuliert mit vielen anderen dem neuen König, der schon etwa 40 Jahre dabei ist, wie Brodrecht schätzt. Der verdienstvolle ausdauerndste Schütze geht diesmal leer aus, seine Brüder trösten ihn.

Freude und Erleichterung nach dem hartnäckigen Widerstand des Federviehs sind sichtbar, nun ziehen die Brüder zum Drostenhof zu Fahnenschlag und „Büschken anstecken“, sie ehren den neuen König und die Familie Merveldt. Bis Montag um Mitternacht werden die Brüder noch viel tanzen und dann auch einen neuen Vorstand haben.

Foto:

Kaum ist der Vogel gefallen,  spendet der neue König, Heinrich Richter, den begeisterten Brüdern und Besuchern seine Huld.





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