Geschichte Wolbecks

Heinrich Heine und Westfalen

19 Nov , 2005  

Münster-Wolbeck. Zu Fuß und mit der Postkutsche durchmaß Heinrich Heine das Münsterland und pflegte Korrespondenz mit etlichen Westfalen. Mit vielen hatte er studiert. Den 1797, im gleichen Jahr wie Annette von Droste-Hülshoff, Geborenen stellte am Donnerstagnachmittag (17.11.2005 )  im Awo-Treff in der Hofstraße die Schriftstellerin Liselotte Folkerts in einem Vortrag über seine „Beziehungen zu Münster und Westfalen“ vor.

Die nächste Station Hamburg schon im Blick ließ er sich 1843 Münster zeigen. Die Wiedertäufer faszinierten ihn und im „Wintermärchen“ verewigte Heine „jene Körbe von Eisen, Die hoch zu Münster hängen am Turm, Der St. Lamberti geheißen“. Auch vom Charakter der Westfalen machte Heine sich ein Bild, das er im „Wintermärchen“ wiedergab: Ich habe sie immer so liebgehabt, Die lieben, guten Westfalen, Ein Volk, so fest, so sicher, so treu, Ganz ohne Gleißen und Prahlen.“ Die Droste hat Heine nie getroffen, so Folkerts. Ihre Notizen erwähnen ihn nur am Rande.

Liselotte FolkertsViele andere Weggefährten hatte Folkers in bibliothekarischer Akribie ausgegraben, darunter Christian Sethe, Friedrich Steinmann, Fritz von Beughem, Karl Leberecht Immermann, Lewin Schücking und Ferdinand Freiligrath. Heine würdigte früh die  Leistungen des Detmolder Dramatikers Christian Dietrich Grabbe.Das Dutzend Zuhörer zeigte sich beeindruckt von den Details der Recherchen.Ingrid Brock-Gerhardt zeigte einleitend in Bildern und Zeichnungen Lebensstationen und ging auf das leidvolle Ende des Dichters in seiner Pariser „Bettengruft“ ein. Am 10. November hatte ein Awo-Nachmittag dem Werk der „Rabbi von Bacherach“ und Heines Verhältnis zum Judentum gegolten.

Eines will die Sammlerin Folkerts noch ergründen: Wann Heine in Münster nach dem II. Weltkrieg in Münster wieder Anerkennung fand und Eingang in die Lehrveranstaltungen der Universität.

Nachtrag:
An weiterbildenden Schulen war Heine auch direkt nach dem Krieg Bestandteil von Schulbüchern.

Das belegen die folgenden zwei Schulbücher, die nach Aussage von Dr. phil. Johannes Hasenkamp am Gymnasium Paulinum in Münster benutzt wurden.

  • Spiegel der Seele. Zwei Jahrhunderte deutscher Dichtung. Vierte Auflage. Hrsg. von Franz Faßbinder. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster in Westfalen, 1946, S. 203-214 (zwölf Werke unterschiedlicher Länge).
  • Am Borne deutscher Dichtung. Vierte Auflage. Hrsg. von Margarete Echelmeyer. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster in Westfalen, 1946, S. 137-140 (vier Gedichte).
    Die Auflage enthält den Hinweis:  "Die vierte Auflage enthält eine zeitbedingte Ergänzung und Neubearbeitung."

Gespräch des Autors, A. Hasenkamp, mit Dr. J. Hasenkamp, am 19.11.2005.

Nachtrag 2 (25.05.2007) 

Inzwischen als Buch im Privatdruck erschienen: "Ich dachte der lieben Brüder" Heinrich Heine und Westfalen, von Liselotte Folkerts, Privatdruck: Münster, 1986. ISBN:3000184848.

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