Formen zum Anfassen in Angelmodde

Ein reichhaltiges Spektrum ihres künstlerischen Werdens und Schaffens der letzten vier Jahre präsentierte Ursula Bouchette am Samstagnachmittag bei der Eröffnung ihrer Ausstellung „Skulpturen und Bilder“ im Gallitzin-Haus in Angelmodde. Sie umfasst Acrylbilder, Aquarelle und Speckstein-Skulpturen. Ursula Bouchette eröffnet Ausstellung  „Skulpturen und Bilder“ im Gallitzin-Haus

Kennzeichnend für die Künstlerin und ihre Kunst sei die menschliche Anteilnahme, das nicht oberflächliche Herangehen, sagte Dr. Ute Ewering bei der Eröffnung.
Überrascht habe sie die große Anzahl der Werke, so Ewering, die Geschäftsführerin des Gallitzin-Hauses ist. An den Werken seien einige Entwicklungen abzulesen. Am Anfang stünden Landschaftsbilder mit gedeckten Farben, die man aus der Ferne sehe. Dann würden die Werke abstrakter und von anderer Farbigkeit. Bouchette habe mit geometrischen Grundformen experimentiert. Sie nutze Form und Farbe, und Dynamik zu erzeugen. Das gehe bis hin zur Dreidimensionalität. Andere, im Obergeschoss ausgestellte Werke seien zeichnerisch fein. Im Blick seien nun häufig Bäume; Bouchette kehre zurück zur Landschaft, aber mit verändertem Blick. Sie rücke näher heran, zeige Rinde und Wurzeln.
Die Skulpturen seien meist abstrakt, andere organisch. Diese zeigen Menschen oder Körperteile.
Die Vorgehensweise der Künstlerin sei, den Stein sprechen zu lassen: Was will er, was kann er?
Bouchette lässt die Specksteinbrocken zunächst liegen, wartet auf die Inspiration, um dann die sich andeutende Form aus dem Stein zu holen. Einmal sei von einem größeren Brocken ein Teil abgesprungen. Daraus wurde „Der verborgene Engel“.
Sie wolle den Steinen ihre Grundform lassen, sie nicht gewaltsam verändern.
Dazu nutzt sie Steinraspeln, Schnittmesser aus der Holztechnik, Sägen und Sandpapier von extrem feiner Körnung, das für den letzten Schliff, der häufig erst die wirklichen Färbungen hervortreten lasse, noch mit Wasser befeuchtet wird, um die extrem glatte Oberfläche zu schaffen.
Der einfühlende Blick fördert Überraschendes zu Tage. Auf der Rückseite der aus dem Speckstein herausgearbeiteten Hand sei dann eine  Fußsohle erkennbar geworden. Es wurde die „Fußsohlenhand“.
Der Speckstein sei auch als Heilstein bekannt, meinte Bouchette. Ausdrücklich lud sie zum Anfassen der Steine ein.
Die Werke sind nummeriert; Titel hat Bouchette ihnen bewusst nicht mitgegeben. Sie habe zwar ihre Vorstellung von einem Titel im Kopf, wolle aber dem Besuchern den freien, eigenen Blick nicht verbauen.
Bouchette begann als Autodidaktin mit Zeichnen und Malen. „Irgendwann bin ich dann an meine Grenzen gestoßen. Ich machte immer die gleichen Fehler, es gab keine Weiterentwicklung.“ Seitdem hat sie viele Kurse besucht, von der Kunst Arbeitsgemeinschaft eines Abendgymnasiums über die VHS und das Haus der Familie. Die nötigen Techniken, von denen die Ausstellung zeugt, haben unterschiedliche Vorzüge und Anforderungen. Das Aquarellieren diene eher der Ruhe, im Acryl könne sie starke Gefühle ausdrücken.
Öl ist lange korrigierbar, beim Aquarell muss der erste Strich „sitzen“.
Bouchette bestritt mehrere Ausstellungen, unter anderem im Kunsthaus Angelmodde, gemeinsam mit der Künstlergruppe „GremmArt“, einem freien Zusammenschluss von Künstlern. Die jetzige Ausstellung ist die zweite, in der sie allein ausstellt.
Die Ausstellung ist bis zum 4. Dezember zu sehen; jeweils Mittwochs und Freitags bis Sonntags von 15 bis 18 Uhr. Die Künstlerin wird dann selbst anwesend sein. Das tue sie gern – viele Werke würde sie gern erläutern.

Foto: 0226
Ursula Bouchette zeigt den Engel, der zwischen zwei Stücken des Specksteins auf seine Entdeckung wartete.
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