Europäischer Nanobio-Kongress in Münster – Großer Auftritt für kleinste Teilchen

Nur ein billionstel Gramm werfen die Nanoforscher in die Waagschale, doch der Wiegebalken reagiert: kleine Masse – große
Möglichkeiten: Auf der NanoBio-Europe, die vom 22. bis zum 24. September 2005 in Münster stattfindet, sind hochgenaue Gewichtsmessungen eines von mehr als 30 Themen, teilt der wid aus Münster mit.

Experten aus zwölf Nationen folgen der Einladung des Zentrums für
Nanotechnologie in Münster (CeNTech). Die Forscher erörtern den erwarteten 250
Besuchern aktuelle Entwicklungen und Ergebnisse ihrer Disziplinen. Firmen wie
Boehringer-Ingelheim und Zeiss flankieren den Kongress als Industrie-Aussteller
ebenso wie Wyeth Pharma, Roche und General Electrics als Kooperationspartner.

Die Nanobiotechnologie hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem
etablierten Forschungsgebiet entwickelt. Erste Anwendungen in der
Krebsbekämpfung oder der Bioanalytik zeigen das Potenzial der
interdisziplinären Wissenschaft. Die einzigartigen Eigenschaften der
Nanopartikel als maßgeschneiderte Wirkstofftransporter stehen auf der
NanoBio-Europe ebenso im Mittelpunkt der Diskussion wie neuartige Bioanalytik
und verfeinerte Bildgebungsmethoden für die medizinische Diagnostik. Beim
Insulin-Inhalator für Diabetiker sollen nanogroße Wirkstoffmoleküle als Aerosol
tief in die Lungenspitzen dringen. Größere Arzneipartikel würden die
Lungenbläschen gar nicht erreichen und könnten nicht in die Blutbahn übergehen.
Für die Zulassung dieser Therapieart hat sich jüngst eine Expertenkommission der
amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) ausgesprochen. In der Testphase
befindet sich auch eine Tumortherapie mit nanoskalierten Eisenoxidpartikeln.
Wissenschaftler der Berliner Charité haben mit dieser Art Medikation viel
versprechende Versuchsreihen durchgeführt. Ebenfalls im Nanomaßstab liegt das
Sensorsystem von Prof. Christoph Gerber vor. Der Direktor des Schweizer
Kompetenzzentrums für Nanowissenschaften am physikalischen Institut der
Universität Basel hat winzige Siliziumbalken auf einem Chip montiert. An den
Auslegern können einzelne Moleküle aus einer Blutprobe binden und so erkannt
werden. Je nach Beschichtung der Balken sollen sich die verschiedensten
Moleküle von krebsspezifischen Eiweißen bis hin zu fehlerhaften Genen
nachweisen lassen. Auch der Schweregrad von Herzinfarkten lässt sich mit
Gerbers Methode darstellen. Neben einer breiten Palette medizintechnischer
Anwendungen kommen während der NanoBio-Europe 2005 aber auch ethische und
umweltbezogene Aspekte zur Sprache. Hier geht es neben gesellschaftlichen
Fragestellungen um eventuelle Risiken durch verschiedenartige Nanopartikel.

Dr. Frank Schröder-Oeynhausen, Geschäftsführer des münsterschen Zentrums für
Nanotechologie, betont Deutschlands weltweite Vorreiterrolle in der
Nanobiotechnologie. "Gemessen an der Zahl der Patentanmeldungen liegt
Deutschland international auf Platz zwei nach den USA. Die deutsche
Nano-Förderung ist mit 300 Millionen Euro jährlich die höchste in Europa.
Weltweit investieren nur Japan und die USA mehr Geld in die kleinsten Dinge der
Welt." Derzeit entwickelt sich die Nanobiotechnologie zu einem festen und stetig
wachsenden Wirtschaftsfaktor. Im Jahr 2010 soll allein der weltweit mit Biochips
erwirtschaftete Umsatz bei etwa zwei Milliarden US-Dollar liegen.

Die NanoBio-Europe ist aus einer Fusion der bisherigen "NanoBioTec" in Münster
und der "Nanobiotechnologies X-France" in Grenoble als neue europäische
Fachveranstaltung hervorgegangen. Nachdem der Kongress auf deutschem Boden
seine Premiere erlebt, wird er im kommenden Jahr in Grenoble stattfinden.

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