Kunst und Kultur

Engel kehren zurück – Erste Gutenacht-Geschichten für Erwachsene gut besucht

3 Nov , 2005  

Münster-Wolbeck. Einen Streifzug durch die Literatur über Engel boten am Donnerstagabend Henriette Hentrey und Rainer Wagner gut zwei Dutzend Gästen des evangelischen Gemeindezentrums.

Es gibt ganz andere Engel als die pausbäckigen kleinen Figuren, so Hentrey. Sie können auch häßlich und klein daherkommen, Wächter des Paradieses oder Torhüter des Himmels sein, Schützende, Warnende oder aber Rache-Engel, Würge-Engel und Engel des Todes. Es gebe einen Boom der Beschäftigung mit Engeln. Sie würden seit einigen Jahren wieder verstärkt beachtet – ob gefürchtet oder belächelt.

Die ausgewählten Werke führten in den gut zwei Stunden des Vorlesens mit einigen musikunterlegten Atempausen ganz verschiedene Engel vor Augen. Mit ihnen die kamen im Halbdunkel des fast nur von Kerzen erleuchteten Raums die unterschiedlichsten Anlässe und Situationen zur Sprache, in die Menschen ihre Wünsche und Ängste in Ideen über Engel projizieren.

Bei Dürrenmatt steht der Engel gegen die weltfremde Sicht der Welt als reine Verzweiflung, bei Paulo Coelho steht er dem Krieger gegen den Rat des Dämonen bei, der die geistige Oberhand über sein Schwert gewinnen will. Als Friedensstifter zwischen den Religionen der Christen und Muslime lässt Gasup Sirchan seinen Engel wirken.

Else Lasker-Schüler sucht nach einem Engel als Begleitung, und wünscht sich die Begleitung ihrer Mutter.

Den stärksten Eindruck mögen die lebensnahen, anregenden Geschichten von Christa Spilling-Nöker gemacht haben. Hier ist es der Mensch, der schlicht dem Herzen folgend hilft und damit schon an die Idee erweckt: Das ist ein Engel. Mit Engeln befassten sich Heinrich Böll, Gerald Zschorsch, Annette von Droste Hülshoff, Hans Christian Andersen und Rilke.

Engel- und menschenfeindliche Erwachsenen-Welten entlarvt als Schlussstein des Abends Robert Gernhardts „Die Falle“ mit viel Humor.

Der starke Applaus sprach dafür, dass Wagners Wunsch sich erfüllen würde, „dass Sie danach gut schlafen“. Der Förderverein der Ev. Kirchengemeinde Wolbeck und Albersloh e.V. will die Reihe am Donnerstag begonnenen Gute-Nacht-Geschichten am 29. Dezember fortsetzen. Dann soll es um die „Literatur der rauen Nächte“ gehen, sagte Wagner.

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Henriette Hentrey und Rainer Wagner freuten sich über den starken Besuch beim ersten Termin der Gutenacht-Geschichten. Er galt den Engeln.

Foto: -anh-.

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