Bürodienstleistungen: Gründerin aus Münster berichtet

Die Zeit, die für „Papierkram“ verloren geht, wollen Unternehmer lieber produktiv nutzen. Wenn man sie denn lässt.

Genau da will die Existenzgründerin Anja Auras aus Wolbeck ansetzen. „Das sind Tätigkeiten, die den Chefinnen und Chefs viel Zeit rauben. Besonders im Handwerk und bei Freiberuflern. Die Zeit möchten viele lieber auf Produktives verwenden, etwa für neue Aufträge.“

Da lag der Gedanke an eine Existenzgründung nahe. Außerdem wollte Auras gern ihr eigener Chef sein. „Man hat als Unternehmerin häufig ein besseres Verhältnis zu den Kunden als als Mitarbeiter“, sagt sie sechs Monate nach der Gründung.
Und das Startkapital? Das größte Kapital sei ihre Erfahrung, betont Auras.
Elf Jahre Erfahrung sammelte sie in vier Betrieben. 1995 schloss sie die Ausbildung zur Bürokauffrau mit einer Prüfung an der Industrie- und Handelskammer ab. Die Ausbildung ergänzte Auras später um Lehrgänge in EDV-Finanzbuchhaltung.
Besonders nützlich war die Arbeit in einer neuen Firma in Bad Nenndorf bei Hannover, die gerade im Aufbau war. „Hier konnte ich besonders helfen, Abläufe zu verbessern.“
So hat die 1972 geborene Auras Routine von der Rechnungs-Erstellung über Stundenverwaltung, Nachkalkulation, Schreiben nach Diktat bis zur vorbereitenden Buchhaltung. Ob regelmäßig oder „auf Zuruf“, Auras holt die Unterlagen, bearbeitet sie und bringt die fertigen Arbeiten zurück. „Flexibles Einspringen schätzen meine Kunden und sie brauchen keinen Arbeitsplatz für mich einzurichten.“
Das ist wichtig gerade für kleine Betriebe, hat Auras festgestellt: „Die können eine Vollzeitkraft nicht tragen und nicht auslasten.“ Trotzdem brauchten sie Entlastung, um sich auf wichtige betriebliche Dinge zu konzentrieren. Viele müssten die lästige, ungewohnte und daher zeitraubende Arbeit nach Feierabend oder am Wochenende verrichten. „Der eine Kunde ist begeistert, dass es so praktisch und schnell läuft.“ Die Kunden seien froh, Büroarbeit abgeben zu können, ohne jemanden einstellen zu müssen.

Die Gründung

Die Gründung im angeblich so bürokratischen Deutschland war kein Problem, berichtet Auras: „Ich habe mich in einem zweiwöchigen Gründer-Seminar vorbereitet. So konnte ich meinen Geschäftsplan erarbeiten.“ Auch wenn es damals für eine Ich-AG nicht verlangt wurde, holte Auras sachkundigen Rat ein. „Es war mir wichtig, hier die Weichen gleich richtig zu stellen.“ Darüber denkt sie nicht nur beim Nordic Walking und beim Spazierengehen mit ihrer Hündin Gina nach. Für die laufend auftretenden Fragen schätzt Auras das einjährige Kleingruppen-Coaching, wo sie andere Existenzgründer trifft und von Unternehmensberater Dr. Stefan Borchert praxisnahe Begleitung erhält. „Hauptproblem der Leute ist der Marktzugang“, so Borchert. Das wird im Coaching, das in Münster das Arbeitsamt fördert, in Beispielen und Rollenspielen trainiert. „Die Themen bestimmen die Gründer – und es ist immer wieder das Marketing.“
Die erhöhten Ansprüche bei der Gründung der „Ich-AG“ begrüßt Borchert. Einen solchen Geschäftsplan brauche jeder, er gebe nach kritischer Prüfung Orientierung. „Es sind meist Fragen der Kalkulation, des realistischen Umsatzes und des Gefühls für den Markt“, an denen er mit den Gründern arbeite.
„Für uns Existenzgründer geht es sehr viel um Marketing“, so Auras. „Die Leute müssen ja erfahren, dass ihnen jemand diese Arbeit abnehmen kann“.
Was anderen die Schreibtische verstopft, schafft Anja Auras aus Wolbeck routiniert vom Tisch.

 

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