Boogie Woogie im Rittersaal

Münster-Wolbeck. „Etwas Schwungvolles“ hatte Organisator Dr. Reinhard Sappok ausgesucht und einen Wirbelwind gebracht. Boogie Woogie hieß einst auch Honky-Tonk, also „Kneipe“, weil er hauptsächlich dort gespielt wurde. In Wolbeck tobte der lebenslustige Stil am 10. September 2005 im Rittersaal des gräflichen Drostenhofs.

Viele Eigenkompositionen und Arrangements hatten Christian Bleiming am Klavier und Peter Samland am Schlagzeug im Gepäck, als erstes „Stomping at the Subway“. Zum erstenmal spielten sie „The Whirlwind“ live, Bleimings starke Rechte führte hier kraftvoll eine an Varianten und Entwicklung reiche Melodie. Spätestens mit dem zweiten Stück drang der Boogie in die Körper der Hörer. Die Zwei brachten in den hinteren Reihen immer weitere Gäste zum Stehen, auch Krücken zum Trotz – auch dort wollten viele sehen, wie die Finger tanzen.

Peter Samland (links) und Christian Bleiming trugen die Lebenslust des Boogie Woogie in den Drostenhof.Sie konnten auch langsamer, wie „Make me a Pellet on the Floor“, arrangiert von Bleiming, zeigte. Die Melodie erinnerte an den typischen Saloon im Wilden Westen à la Hollywood, doch mit welchem Reichtum an Figuren und wie präzis!

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CDs von Christian Bleiming

Diese Stärke setzten die Ritter von der flinken Hand in weiteren Stücken fort. Jimmy Yancey wurde hier gewürdigt, der Saint Louis Blues Boogie zeigte eindrucksvoll die kreative Phantasie und kompositorische Kraft des Boogie. Andere Stücke wiederum zelebrieren die Freude am wilden Spiel, an der spontanen Kombination. Der „Six Avenue Express“ trug den Künstlern stehende Ovationen ein, beim „The rocky Blues“ wurde mitgeklatscht.

Christian Bleiming und Peter Samland Dem Schlagzeug kam meist die Rolle des zurückhaltenden Begleiters zu, der das vom Klavier getragene Thema rhythmisch unterstreicht. Dass es auch anders geht, zeigten Bleiming und Samland zum Schluss des Konzerts, hier ließ der gebürtige Bielefelder Samland die Schlegel solistisch tanzen, und der verschmitzte komödiantische Einschlag des „Mannes für alle Trommelfälle“, wie Bleiming ihn nannte, ließ spontanen Applaus aufbranden.

Die Forderung nach der Zugabe konnte nicht ausbleiben, und darauf hatten Samland und Bleiming nur gewartet.

Das Konzert hinterließ ein Begeistertes Publikum und eine Idee davon, warum der „Honky Tonk“ nicht nur in den Kneipen Erfolge feierte, sondern mit Big Joe Turner 1938 auch in der New Yorker Carnegie Hall.
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